Rezension: „Elantris“ von Brandon Sanderson

Die deutsche Übersetzung des ersten veröffentlichen Buch des erfolgreichen Fantasy-Autoren Brandon Sanderson, welcher unter anderem „Mistborn“ geschrieben hat.

Betreten Sie Elantris, eine Stadt voll alter Magie, ein Reich zwischen Leben und Tod.

Beherrscht von einem geheimnisvollen Gott und bewohnt von Menschen, die dazu verdammt sind, in den Ruinen dieser Stadt ewig zu leben.

Niemand weiß, wozu Elantris erschaffen wurde.

Bis eines Tages eine Gruppe von Gefährten versucht, das Geheimnis zu lüften …

Meine Rezension zu „Elantris“

Inhalt

Einst war Elantris die Hauptstadt von Arelon: gigantisch, schön, wortwörtlich strahlend. In ihr lebten Wesen, die ihren machtvollen magischen Fähigkeiten zum Vorteil aller nutzten. All diese gottähnlichen Personen waren einst gewöhnliche Menschen gewesen, bis sie von der geheimnisvollen Shaod verwandelt wurden. Doch vor zehn Jahren verschwand die Magie ohne Vorwarnung und die Elantrier wurden wütende, aussätzige, machtlose Kreaturen; Elantris selbst dunkel, schmutzig und verfallend.

Die Prinzessin Sarene aus Teod kommt in Aerelons neuer Hauptstadt Kae, die im Schatten von Elantris liegt, für ihre Hochzeit mit dem Kronprinz Raoden. Aufgrund ihrer Korrespondenz hofft sie Liebe zu finden. Doch stattdessen findet sie heraus, dass Raoden gestorben sein soll und sie seine Witwe ist. So stürzt sie sich auf die Politik, denn sowohl Teod und Arelon sind die letzten Nationen, welchen noch nicht von den fanatischen Fjordellern unterworfen wurden. Sarene kontert die Machenschaften von Hrathen, einen fjordellischen Hohenpriester. Dieser kam nach Kae, um Arelon für seinen Herrscher und Gott zu bekehren. Doch weder Sarene noch Hrathen wissen die Wahrheit über Prinz Raoden: Dieser wurde von der Shaod ereilt und heimlich nach Elantris verbannt. Sein Kampf, den dort gefangenen Elenden zu helfen, setzt eine Reihe von Ereignissen im Gang, welche Hoffnung nach Arelon bringen und vielleicht das Geheimnis von Elantris enthüllen werden.

Meinung

Lange habe ich gezögert, dieses Buch zu lesen oder zu hören. Denn die Kritiken sind teilweise doch ziemlich durchwachsen. Da ich mittlerweile jedoch fast die gesamte Backlist von Brandon Sanderson durchgearbeitet habe, wollte ich dem Buch nun doch eine Chance geben – und habe es trotz seiner Schwächen nicht bereut.

Zunächst einmal hat mich einmal mehr das gigantische Worldbuilding begeistert, welches für einen Einzelband sehr ausführlich ist. Kritisch könnte ich jedoch anmerken, dass die aufwendige Geographie und die verschiedenen Bevölkerungsgruppen mit ihren Religionen vor allem zu Beginn zu erschlagend sein können, auch wenn diese Detailfülle der Geschichte zu Gute kommt. Denn auch bei „Elantris“ verwendet Sanderson wieder viel Zeit, seine Religionen und die Magie ausführlich zu erläutern, und überrascht einmal mehr damit, wie sich am Ende alles zusammenfügt.

Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich aus der Perspektive von drei Protagonisten: Sarene, Hrathen und Raoden. Während ich sehr gerne den politischen Winkelzügen der blitzgescheiten Prinzessin Sarene folgte und auch aufmerksam den früheren Kronprinzen Raodens bei seinen noblen Bemühungen Elantris wiederaufzubauen begleitete, blieb der Hohepriester Hrathen für mich lange Zeit sehr langweilig. Zwar wird früh klar, warum auch seine Sicht später wichtig sein wird, dennoch hätte ich seine Szenen am liebsten übersprungen.

Auch insgesamt hätte es der Geschichte gut getan, die ersten 2/3 des Buches wesentlich kompakter zu erzählen und dafür mehr Zeit für das Ende aufzuwenden. So fühlt sich das Geschehen an, als würde ein Stein langsam ins Rollen kommen, allmählich Geschwindigkeit aufnehmen und dann am Ende nahezu senkrecht in den Abgrund stürzen. Ich empfand das Ende zwar nicht ganz so überstürzt wie manch anderer Kritiker, aber es lässt sich nicht abstreiten, dass es zum Schluss sehr hektisch zugeht und eine Enthüllung auf die nächste folgt, welche jeweils mehr Raum verdient hätten.

So fand ich die Geschichte zusammenfassend spannend und faszinierend, besonders das Magiesystem und die Religionen hatten es mir einmal mehr angetan. Jedoch bleibt im Vergleich zu späteren Werken von Brandon Sanderson festzuhalten, dass er hier noch nicht das richtige Tempo gefunden hatte und so die vielversprechende Geschichte nicht ihr volles Potenzial entfalten kann. Ich würde es als annähernd gleich gut wie „Sturmklänge“ einstufen, mit ähnlichen Stärken und Schwächen.

Eine Randbemerkung noch zum Schluss: Auch die Texter der Online-Klappentexte zu seinen Büchern haben sich glücklicherweise in den letzten Jahren noch weiter entwickelt, denn die Beschreibung von „Elantris“ ist schon ziemlich irreführend.

Hörbuch

Einmal mehr ist der Sprecher Detlef Bierstedt, der mir bereits aus zahlreichen Brandon-Sanderson-Hörbüchern als auch anderen Hörbüchern bekannt war. Auch dieses Mal verlieh er der Geschichte eine besondere Stimmung und varriierte Stimmhöhe und -tempo geschickt, so dass die Charaktere ihre eigenen Stimmen bekommen. So werden die Welt und die Figuren von Elantris vor dem inneren Auge lebendig. Dadurch, dass die Geschichte selbst Längen hatte, zog sich auch das Hörbuch etwas, dennoch habe ich gern zugehört.

In einem Satz

„Elantris“ ist ein beeindruckendes Erstlingswerk mit komplexen Worldbuilding, allerdings ist dessen Erzähltempo noch nicht ganz ausbalanciert.

Rating: ★★★★☆

Brandon Sanderson, “Elantris”, übersetzt von Ute Brammertz, 912 Seiten, Heyne Verlag, 11. März 2013.
Gesprochen von Detlef Bierstedt, Spieldauer 27 Std. 18 Min., Random House Audio, 19. April 2013.
Zum Hörbuch “Elantris” von Brandon Sanderson bei audible.

30. Dezember 2016         

Noch keine Kommentare