Rezension: „Winter“ von Marissa Meyer

WinterDer vierte Teil der Lunar Chronicles, erscheint auf Deutsch als „Wie Schnee so weiß“ am 29. Januar 2016. Die Rezension enthält Spoiler zum ersten Band „Cinder“.

This is not the fairy tale you remember.
But it’s one you won’t forget.

Princess Winter is admired for her grace, kindness and beauty, despite the scars on her face. She’s said to be even more breath taking than her stepmother, Queen Levana …

When Winter develops feelings for the handsome palace guard, Jacin, she fears the evil Queen will crush their romance befor it has a chance to begin. 

But there are stirrings against the Queen across them land. Together with the chyborg mechanic, Cinder, and her allies. Winter might even find the power to launch a revolution and win a war that’s been raging for far too lang.

Can Cinder, Scarlet, Cress and Winter claim their happily-ever-afters by defeating Levana once and for all?

Meine Rezension zu „Winter“

Inhalt

Prinzessin Winter wird für ihre Anmut, Güte und Schönheit bewundert – trotz der Narben in ihrem Gesicht. Ihre Schönheit gilt als noch atemberaubender als die von Königin Levana. Seit Kindertagen steht ihr Jacin zu Seite, mittlerweile eine gut aussehende Palastwache. Ihre Gefühle füreinander dürfen sie jedoch nicht zeigen, andernfalls würden Levana ihre Romanze zerschmettern, bevor sie überhaupt begonnen hat. Doch auch so schweben die Beiden in ständiger Gefahr …

Währendessen bereitet Cinder sich mit ihren Freunden darauf vor, den Kampf zu Levana zu tragen. Doch dafür müssen sie nach Lunar und nichts weniger als eine Revolution entfachen. Werden die Leute glauben, dass Cinder die lang verschollene Prinzessin Selene ist und ihrem Aufruf zum Widerstand folgen? Alte Verbündete und neue Freunde stehen Cinder in diesen entscheidenden Tagen bei. Kann es ein Happyend für Cinder, Scarlet, Cress und Winter geben?

Meinung

Zunächst einmal möchte ich meinen Bedauern Ausdruck verleihen, dass ich 2014 die ersten drei Bände nicht rezensiert habe. „Cinder“ war ein grandioser Auftakt, „Scarlet“ war fantastisch und auch „Cress“ hat mir gut gefallen. Wer also mit dieser Reihe liebäugelt, sollte sie meiner Meinung nach unbedingt lesen!

Leider kann „Winter“ mit den vorherigen Bänden nicht wirklich mithalten. Die Ursache sehe ich vor allem in der Konstruktion: Im ersten Band spielt Cinder die Hauptrolle, wobei auch Iko und Kai wichtig sind. Im zweiten Teil kommen Scarlet und Wolf hinzu. Im dritten Buch stoßen Cress und Thorne dazu. Und jetzt im vierten Band komplettieren Winter und Jacin die Runde. Außerdem hat auch Levana ihre Auftritte. Natürlich ist es nicht unmöglich, aus so vielen Perspektiven eine Geschichte spannend zu erzählen. Aber hier wirkte es so, als wollte Marissa Meyer jeden Charakter gerecht werden, den Liebesturbulenzen ausreichend Raum geben – und ließ die Geschichte deshalb ausufern, auf Kosten des Spannungsbogen. Versteht mich nicht falsch, ich habe die Charaktere alle sehr lieb und mochte die zahlreichen Neckereien und Wortgefechte. Doch obwohl die Handlung innerhalb weniger Tage spielt, kam sie gefühlt überhaupt nicht vom Fleck.

Außerdem kam die Titelfigur Winter aus meiner Sicht – trotz des oben geschilderten – viel zu kurz: Während Cinder und Scarlet in ihren Büchern eindeutig die Hauptrolle spielte und Cress zumindest einen Großteil einnahm, lief Winter hier mehr so nebenher mit. Die Sache mit den Halluzinationen hätte interessant sein können, war aber einfach nur nervig. Die Erklärung, warum sie ihre Gabe nicht nutzt, war arg kurz und zudem ziemlich schwach. Auch die love story hätte ich dann doch ein wenig anders aufgezogen. Aus meiner Sicht waren die Kapitel mit ihr die Schwächsten des Buches und das fand ich dann doch ziemlich schade.

Ansonsten fehlte der Handlung die überraschenden Elemente: Die Freunde werden getrennt, müssen sich in verschiedenen Konstellationen durchkämpfen, sich ihren schlimmsten Ängsten und Feinden stellen – alles erwartbar und auch schon vorher so passiert. Richtig eng wird es für die Hauptfiguren eigentlich nie. Und nachdem Levana endlich besiegt wurde, gibt es noch paar Dutzend Seiten, die alles nochmal richtig rund machen sollen und sich wie ein endloser Epilog lesen.

Insgesamt daher eine interessante Geschichte, der aber die Spritzigkeit und Wendigkeit der vorherigen Büchern fehlt, sondern vergleichsweise behäbig daher kommt. Statt also einen finalen Paukenschlag zu setzen, wirkt es so, als hätte Marissa Meyer streckenweise fast den Faden verloren und nur knapp ein Ende gefunden. Dennoch werde ich die Lunar Chronicles weiter in Ehren halten, denn vor allem die ersten beiden Bände konnten mich total überzeugen und die Figuren sind einfach unvergesslich!

In einem Satz

Ein schöner Abschluss der Lunar Chronicles, in dem aber die eigentliche Hauptfigur zu kurz kommt und wo die Dynamik und das Überraschende der vorherigen Bände fehlt.

Rating: ★★★½☆

Marissa Meyer, Originaltitel „Winter“, 827 Seiten, Feiwel & Friends, 10. November 2015.

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Die Lunar Chronicles bestehen aus vier Hauptbände und zahlreichen Kurzgeschichten:

„Glitches“ (dt. „Das mechanische Mädchen“) (#0.5)
The Little Android“ (#0.6)
„Cinder“ (dt. „Wie Monde so silbern“) (#1)
„The Queen’s Army“ (dt. „Die Armee der Königin“) (#1.5)
„Scarlet“ (dt. „Wie Blut so rot“) (#2)
„Cress“ (dt. „Wie Sterne so golden“) (#3)
„Carswell’s Guide to Being Lucky“ (#3.1)
Fairest: Levana’s Story“ (#3.5)
„The Princess and the Guard“ (#3.6)
„Winter“ (dt. „Wie Schnee so weiß) (#4)

23. Dezember 2015         

2 Kommentare

  1. Tina sagt:

    Mir ging es leider ähnlich :/ Ich mochte „Cinder“ und „Cress“ wahnsinnig gerne, „Scarlet“ war nicht ganz meinst. Nach dem fantastischen dritten Teil hatte ich hohe Erwartungen. Aber ich war dann doch einfach enttäuscht. Viel zu lange, zu wenig fesselnd. „Winter“ mochte ich gerne, kam aber wie du sagst, zu kurz. Und am schlimmsten fand ich das Herumgeunke der Figuren. Teilweise haben sie sich so dämlich angestellt, dass musste dann scheitern. Nur um am Ende natürlich trotzdem irgendwie ans Ziel zu kommen. Überhaupt hatte ich das Gefühl es wurden überhaupt keine Opfer gebracht…

    Naja gut freuen wir uns einfach weiter auf Bücher von der Autorin :) dass sie es kann, hat sie ja schon gezeigt!

    Liebe Grüße
    Tina

  2. Elena sagt:

    Interessant, dass viele zwar „Cress“ toll fanden, aber „Scarlet“ nicht so mochten XD Es ist wirklich schade, dass die Aktionen dann letztlich doch immer völlig zufällig wirkten, wo doch angeblich so viel Zeit in Planung gesteckt wurde *seufz* Und ja, es lief dann alles doch extrem glatt …

    Ich bin auf jedem Fall gespannt, wie diese Neuinterpretation von Alice in Wonderland werden wird :)

    Liebe Grüße zurück
    Elena