Auch dieses Mal konnte ich ein langjähriges Mitglied der Litbloggerszene für mein Interview gewinnen: Sabrina von abouthappybooks.com. Sie ist eine kleine Exotin, betreibt sie doch ihrem “Haupt-”Blog auf Englisch und besitzt dazu noch den deutschen Blog “lost in translation”. Wie es dazu kam, warum sie nur gute Bücher rezensiert und was ihr am Bloggen die meiste Freude bereitet – dies alles steht im Interview. Morgen folgt der zweite Teil!
Wie kamst du auf die Idee, über Bücher in zwei Blogs zu bloggen? Und dazu in einen auf Englisch?
Meinen ersten Blog „About Happy Books“ habe ich 2008 gegründet und da ich fast nur englische Bücher lese, war mich klar, dass ich auch auf Englisch bloggen werde. Ich habe das auch immer als eine gute Übung für meine Englischkenntnisse gesehen.
Und am Anfang von 2011 habe ich dann immer mehr Lust bekommen auch mal wieder ein paar Posts auf Deutsch zu schreiben, dazu kam mein Ärger über die deutsche Aufmachung der bride quartet – Serie von Nora Roberts und damit war die Idee zu „Bücher – lost in translation“ geboren.
Ich blogge nicht täglich und immer nur dann, wenn ich das Gefühl habe, etwas zu sagen zu haben und dadurch hält sich der Stress zwei Blogs gleichzeitig zu betreiben in Grenzen. Bisher macht es mir noch viel Spaß und wenn sich daran nichts ändert, werde ich auch in Zukunft zweigleisig bloggen.
Seit einigen Wochen drehst du nun auch Videos. Wie kam es dazu? Bietet es aus deiner Sicht Vorteile gegenüber den herkömmlichen Bloggen?
Ich habe vor etwa zwei Monaten Videorezensionen von einigen Bloggern aus den USA und Kanada auf Youtube entdeckt und war sofort angetan von der Begeisterung, die in den Videos verströmt wird. Booktuber wie Thereadables oder Elizziebooks sind super und machen Lust auf mehr. Nach einigem Überlegen habe ich dann beschlossen auch selbst Videos zu meinen Rezensionen zu drehen. Manchmal fällt es mir leichter über Bücher zu reden als über sie zu schreiben. Aber vor allem mache ich die Videos, weil es mir Spaß bringt und ich so Teil einer tollen Community sein kann. Und meinen Englischkenntnissen schadet es sicherlich auch nicht.
Wie viel Zeit wendest du ungefähr die Woche zum Bloggen auf?
Schwer zu sagen. Fünf bis zehn Stunden werden es bestimmt sein, wahrscheinlich etwas mehr. Ich schreibe meine Posts immer relativ spontan und schnell. Insgesamt versuche ich nicht zu lange beim Bloggen oder im Internet hängen zu bleiben, denn in der Zeit lese ich lieber.
Was war dein schönstes Erlebnis mit deinem Blog?
Da gibt es kein spezielles Ereignis. Meine schönsten Erlebnisse sind immer, wenn Freundschaften mit anderen Buchbloggern entstehen. So verstehe ich mich zum Beispiel sehr gut mit einer Bloggerin von den Phillipinen, einigen anderen aus den USA und natürlich auch einigen deutschen. Diese Freundschaften bedeuten mir viel und sind mein Highlight beim Bloggen.
Wie würdest du die Entwicklung in der Buchbloggerwelt beurteilen?
In den letzten drei Jahren sind enorm viele neue Buchblogs entstanden, da kann man nicht mehr den Überblick behalten aber dafür ist auch für jeden etwas dabei. ARCs scheinen insgesamt immer wichtiger und selbstverständlicher zu werden, mal sehen wo das noch enden wird. Insgesamt hat sich für mich persönlich nicht viel geändert. Ich bin mal gespannt, was die Zukunft beim Buchbloggen bringt.
Unterscheidet sich die englische Buchbloggerlandschaft stark von der deutschen?
Mittlerweile nicht mehr so sehr. Ich denke, dass man merkt, dass die deutsche Bloggerlandschaft etwas kleiner ist. Vielleicht kommt es dadurch auch öfter zu Reibereien untereinander. Ansonsten wird auf deutschen Blogs mehr über das Bloggen diskutiert als auf den englischen, einige Posts scheinen sehr für andere Blogger geschrieben und nicht unbedingt für normale Leser. Dafür gibt es auf den englischen mehr Blogger, die selbst Bücher veröffentlichen wollen und ARCs sind mittlerweile häufig nichts Besonderes mehr. Aber das ganz normale Buchbloggen ähnelt sich doch sehr und das ist es, was mich wirklich interessiert.
Ich habe mittlerweile gute „Buchfreunde“ auf Blogs aus der ganzen Welt gefunden, wo ein Blogger herkommt ist für mich eigentlich egal.
Hast du eine Lieblingsbücherseite (Buchhomepage, Büchermagazin, etc.) im Netz?
Ich bin immer gerne auf Goodreads und ein paar meiner englischen Lieblingsblogs sind: Chachic’s Book Nook, Janicu’s Book Blog , Book Harbinger, Angieville, An Abundance of Books, Sash & Em, Eleusinian mysteries of reading und ich liebe den Buchvlog von The Readables . Die Links zu den Seiten könnt ihr in dem Blogroll auf About Happy Books finden – oder einfach googlen.
Was macht für dich eine gute Rezension aus?
Das ist ganz unterschiedlich und kommt je auf den Blogger an. Solange ich merke, warum der Blogger ein Buch mochte/nicht mochte und ich bei positiven Rezensionen die Begeisterung für das Buch fühle, bin ich zufrieden.
Eine gute negative Rezension sollte nicht respektlos gegenüber dem Autoren sein und Auszüge aus dem Buch sollten nicht aus dem Kontext gerissen werden um daran etwas zu verdeutlichen.
Du besprichst nur Bücher, die dir gefallen haben – warum?
Als ich 2008 mit About Happy Books angefangen habe, war für mich klar, dass ich mich auf meinem Blog mit Sachen beschäftigen will, die mir Spaß machen. Und das sind natürlich die Bücher, bei denen mir das Lesen Freude bereitet hat. Daher habe ich nie über das Schreiben von negativen Rezensionen nachgedacht und auch nicht vermutet, dass Blogger wie ich von anderen zum Teil als nicht „richtige“ Blogger bezeichnet haben. Am Anfang (für etwa ein Jahr) habe ich praktisch keine anderen Blogs gelesen, ich wusste damals gar nichts über die Buchblogszene und das hat mir geholfen meinen Blog so zu gestalten, wie es für mich am Besten ist. Bloggen ist mein Hobby und daher gestalte ich meinen Blog unabhängig davon, was andere für richtig halten. Manchmal ist das Planen bei meiner Art zu bloggen etwas schwer, da ich nie weiß, wann ich das nächste tolle Buch lesen werde, aber das ist mittlerweile ok für mich. Ich muss nicht jeden Tag einen Beitrag veröffentlichen.
Ich habe übrigens nichts gegen negative Rezensionen und lese sie oft gerne, nur selbst schreiben will ich sie nicht.
Zur Übersicht über die von mir gelesenen Bücher bin ich auf Goodreads, und dort kann man dann auch sehen, welche Bücher mir nicht so gut gefallen haben und warum.
Wie hältst du es mit Rezensionsexemplaren in deinem Blog?
Ich fordere manchmal eARCs über netgalley oder galley grab an, aber nicht oft. Da ich auch nur die ARCs rezensiere, die mir gefallen (das wissen die Verlage auch), will ich nicht dauernd welche anfordern nur um sie dann nicht zu rezensieren.
ARCs sind eine gute Art und Weise Bücher bekannt zu machen, aber man braucht sie sicherlich nicht zum Bloggen. Die meisten meiner Rezensionen sind von Büchern, die ich mir selbst gekauft habe. Und wenn ich ein ARC bekomme (egal ob als print oder Ebook) und es gefällt mir so gut, dass ich es rezensiere, dann kaufe ich mir auch immer noch eine eigene Printausgabe. Das ist mein Danke an den Verlag und meine Unterstützung für den Autor.
Schade finde ich es, wenn auf Blogs nur noch ARCs rezensiert werden und das Kaufen eigener Bücher zur lästigen Nebensache wird. Einige Blogger scheinen zu vergessen, dass die meisten Autoren keine Millionäre sind und auf Buchverkäufe angewiesen sind.
Wenn dich ein Litblogneuling nach einem Tipp fragen würde, welchen würdest du ihm geben?
Habe Spaß beim Lesen und Bloggen, respektiere andere Blogger und Autoren. Blogge so, wie du es für richtig hälst und lass andere so bloggen, wie sie es für richtig halten (blog & let blog). Außerdem vergleiche dich nicht ständig mit anderen Bloggern, denn jeder muss seinen eigenen Stil finden. Und abonniere nicht zu viele Blogs, denn sonst hast du bald keine Zeit mehr für deinen eigenen oder zum Lesen.
Welch ein tolles Interview! :) “Blog & Let Blog” sollten sich einige Personen wirklich mal etwas mehr zu Herzen nehmen, da gebe ich Dir vollkommen recht. ;)
Zudem finde ich es eine tolle Sache, dass Du im ersten Blogjahr keine anderen Blogs gelesen und damit zu 100% Deinen eigenen Stil gefunden hast. Ich wünschte so wäre das bei mir auch gewesen. Bei der heutigen Masse an LitBlogs kommt man wohl aber nicht mehr daran vorbei auf viele andere zu stoßen, bevor man seinen eigenen eröffnet.
Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil! :D
Elena, vielen Dank noch mal, dass du mich für deine tolle Serie ausgewählt hast. Es hat wirklich Spaß gemacht deine interessanten fragen zu beantworten.
@ Steffie: Im Rückblick bin ich wirklich froh, dass ich ein Jahr gebloggt habe ganz ohne andere Blogs zu lesen. Natürlich habe ich seit dieser Zeit auch verschiedene Sachen ausprobiert, die in der Blogwelt so gerade in waren, aber im Prinzip ist mein Blog immer noch so wie am Anfang, da ich im ersten Jahr meinen Blogstil gut und in Ruhe entwickeln konnte.
Sehr interessant :D
Ich finde den Unterschied zwischen deutschen und englischen Blogs hat Sabrina gut getroffen.
Mich würde wirklich brennend interessiere, was du beruflich machst, Sabrina, wenn das nicht zu privat ist… oder vllt wird es ja auch im 2. Interviewteil beantwortet :)
Sehr schönes und interessantes Interview, ich freu mich schon auf den zweiten Teil. :)
Ich frage mich echt, wie du es schaffst so viel zu lesen und nebenher noch zu bloggen, selbst ohne Studium und Blog könnte ich nicht so viele Bücher lesen wie du. :O Entweder liest du extrem schnell oder du nutzt deine Freizeit sehr gut aus… ^^
Ich finde es übrigens sehr mutig auf Englisch zu Vloggen, ich würde mich das gar nicht trauen, weil ich Angst hätte, dass ich Wörter falsch ausspreche und so :D Ich würde aber auch in Deutsch nicht Vloggen, weil ich nicht wollen würde, dass jemand weiß wie ich aussehe. XD
Allerdings würde ich auch nicht in Englisch bloggen, meine Sorge Fehler zu machen wäre zu groß (mal abgesehen von dem erhöhten Zeitaufwand) deshalb bewundere ich wirklich Leute, die sich das trauen. :)
@ Miss Bookiverse: Ich bin Studentin im Bereich Wirtschaft und Medien. Ob ich irgendwann mal auch beruflich mit Büchern zu tun haben werde, steht aber noch nicht fest.
@ Lucina: Durch die Stunden (mindestens drei pro Tag), die ich jeden Tag im Zug/Bus sitze, kann ich mein Bücherpensum schaffen. Ansonsten ginge es nicht. Und ich lese außerdem sehr schnell. In meiner Freizeit lese ich auch noch oft, wenn ich die Wahl zwischen Fernsehen und lesen habe, gewinnt immer das lesen.
Auf Englisch zu vloggen ist tatsächlich eine große Überwindung und natürlich mache ich auch dauernd dämliche Fehler. Aber es wird mit jedem mal besser (zumindest bilde ich mir das ein).
@Sabrina: Ah, danke für die Antwort :D