“Midgard” von Wolfgang und Heike Hohlbein

Es ist die Welt der “Edda”, der nordischen Göttersagen, in der Lif auf einem armseligen Fischerhof in Midgard aufwächst. Als eines Tages ein geisterhaftes, schwarzes Schiff am Horizont auftaucht, erfährt er von der alten Weissagung, dass er und sein Zwilling Lifthrasil das Schicksal der Welt in den Händen halten, denn sie werden in die Kämpfe der Götter hineingezogen, in denen die alte Welt untergeht. Auf einer langen, gefährlichen Wanderung, zusammen mit dem Elbenkönig und Baldur, dem Lieblingssohn von Thor, muss er sich gegen Surtur, den Feuerriesen, behaupten und die grausame Unterwelt der Toten durchqueren, bis er zum Thron von Odin gelangt. Die leidvollen Erfahrungen des langen Weges verändern Lif, eine neue friedvolle Zeit beginnt.

Lif wächst als Findelkind auf einen Fischerhof nahe der Küste auf, wo das Leben hart und beschwerlich ist. Doch dann sieht er eines Tages ein unheimliches, schwarzes Schiff und bald darauf bricht ein gewaltiger Sturm herein. Lif erfährt von der uralten Prophezeiung, welche vorraussagt, dass er und sein Zwilling Lifthrasil dereinst das Schicksal der Welt bestimmen werden, wenn Ragnarök – die Götterdämmerung – hereinbricht. Sie allein werden entscheiden, ob sich die Welt zum Guten oder Schlechten neigen wird …

Gemeinsam mit den Schwarzalben-König und Baldur, Odins Sohn, begibt sich Lif auf eine gefahrvolle Reise. Gemeinsam müssen sie sie gegen den Feuerriesen Surtur behaupten und das Reich der Göttin Hel, die Welt der Toten, durchqueren. Viele Abenteuer erwarten Lif, bis er schließlich vor Odin tritt. Und am Ende erwartet sie alle die entscheidende Schlacht: Ragnarök …

Was vielversprechend beginnt, verliert nach und nach seinen Schwung. Je länger man liest, desto stärker fällt auf, dass das Ehepaar Hohlbein viele bekannte Göttersagen in die Geschichte integriert hat. Das alleine ist kein Manko, sondern sogar eigentlich positiv, jedoch verfällt dadurch die Handlung etwas ins episodenhafte und viele Geschichten wurden verfälscht. Die Charaktere enttäuschten mich ebenfalls: Es wird an einigen Stellen etwas reflektiert, aber letztlich sind die Figuren alle so, wie man sie von Hohlbein erwartet, ziemlich eindimensional und entweder gut oder böse. Die Zwischentöne kommen wie so oft nicht wirklich rüber. Lif selbst bleibt, obwohl er doch der eigentliche Hauptdarsteller ist, ziemlich farblos. Auch wenn er unwissend aufwächst und für ihn vieles neu ist, wird allzu oft nicht wirklich erklärt, was es mit den einzelnen Begrifflichkeiten auf sich hat. Das Buch ist für Jugendliche geschrieben worden und daran ist auch der Erzählstil ausgerichtet – dies merkt man doch an so mancher Stelle. Das Ende, nun ja, man kann es zwiegespalten sehen, mir persönlich war es zu übertrieben euphorisch.

Durchaus nette Idee, aber nicht wirklich überzeugende Umsetzung.

Rating: ★★★☆☆

Wolfgang und Heike Hohlbein, “Midgard”, 330 Seiten, Süddeutsche Zeitung / Bibliothek, 12. September 2009.

3. Mai 2011         

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